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Kategorie: Geschichten und Märchen
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Schneewittchen

neu – neu – neu

 

Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab, da saß eine Königin an einem Fenster, das einen Rahmen von

schwarzem Ebenholz hatte, und nähte. Und wie sie so nähte und nach dem Schnee aufblickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rote im weißen Schnee so schön aussah, dachte sie bei sich: Hätt ich ein Kind so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen.

 

 

Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das war so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz und ward darum das Schneewittchen genannt. Und wie das Kind geboren war, starb die Königin.

 

Über ein Jahr nahm sich der König eine andere Gemahlin. Es war eine schöne Frau, aber sie war stolz und übermütig und konnte nicht leiden, dass sie an Schönheit von jemand sollte übertroffen werden. Sie hatte einen wunderbaren Spiegel, wenn sie vor den trat und sich darin beschaute, sprach sie: „Spieglein, Spieglein an der Wand wer ist die Schönste im ganzen Land?“. So  antwortete der Spiegel: „Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land“.

 

Da war sie zufrieden, denn sie wusste, dass der Spiegel die Wahrheit sagte.

Schneewittchen hatte durch die geöffnete Tür alles gehört und wunderte sich über den sprechenden Zauberspiegel.

 

Schneewittchen wuchs heran und wurde immer schöner, weil es morgens im See badete, barfuß durchs nasse Gras lief, ihr Haar von Wind und Sonne trocknen ließ, und es lange bürstete.

 

Wieder einmal hörte Schneewittchen die Königin den Spiegel fragen: „Spieglein, Spieglein an der Wand wer ist die Schönste im Land? Frau Königin, ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als ihr – und sie steht vor der Tür“.

 

In rasendem Zorn gelb und grün vor Neid zerrte die Königin das erschrockene Schneewittchen von der Tür weg und schrie: „Geh‘ mir aus dem Weg und aus den Augen. Ich will dich nie wieder sehen, oder ich lass‘ dich töten.

 

Zitternd vor Angst riss sich Schneewittchen los und rannte so schnell es konnte in den Schlosspark und weinte herzerweichend. Das hörte der Jäger, eilte herbei und tröstete Schneewittchen. „Weine nicht mehr, ich bringe dich über sieben Berge in ein kleines Waldhaus“.

 

Dort angekommen wunderte sich Schneewittchen über kleine Tische, Stühle, Teller, Becher, Gabeln, Löffel Bettchen und alles. Da es hungrig und durstig war naschte es von jedem Tellerchen ein Häppchen und trank aus jedem Becherchen ein Schlückchen. Todmüde von dem langen Weg legte es sich ins siebende größte Bettchen und schlief ein. – Spät in der Nacht kehrten die Bewohner des Waldhauses von ihrer Arbeit aus einer Berghöhle zurück. Sie legten ihre spitzen Helme und die Schutzkleidung ab. Nun wollten sie sich an den Speisen stärken.

 

Sie merkten gleich, dass etwas nicht stimmte, Wer hat mir ein Häppchen stibitzt, wer trank von meinem Saft? Da endlich, sahen sie ein wunderschönes Mädchen in dem siebenden Bettchen schlafen. Sie rissen die Augen auf und flüsterten. Doch Schneewittchen erwachte und erschrak vor den seltsamen kleinen Männlein

Liebe Kinder, nein, es waren nicht die sieben Zwerge, denn sie hatten kleine Geräte an Nase und Mund die aussahen wie Großvaterbärte. Darüber musste Schneewittchen lachen und die Männlein lachten mit. Dann erzählte Schneewittchen alles über die hochmütige, eitle, böse Königin. Die Männlein erzählten alles von sich.

 

Die waren nämlich Kosmonauten von einem anderen Planeten hatten sich verirrt und waren heimlich auf der Erde gelandet. Sie fürchteten sich vor den Menschen, weil diese sich in Kriegen gegenseitig töteten. Darum suchten sie in der Berghöhle nach einem bestimmten Edelstein. Mit diesem konnten sie ihr Raumschiff wieder starten und ihre Reise fortsetzen.

 

Zeit verging. Schneewittchen führte den Haushalt und lernte von den Kosmonauten viel über Heil – und Wunderkräuter, wie man damit jung und schön bleiben kann. Kinder, ihr müsst wissen, die Kosmonauten waren viele Lichtjahre unterwegs und sie waren schon 3000 Jahre alt, aber durch ihre Wundermittel jung geblieben

 

Im Schloss fragte die Königin wieder einmal ihren Spiegel. Kinder ihr wisst was er antwortete, (sagt es laut). Dies konnte die Königin nicht ertragen und sie wurde noch hässlicher in ihrer Wut.

 

Sie überlegte, wie sie Schneewittchen töten könnte. Kinder ihr wisst es. Ja die Königin verkleidete sich als ganz, ganz alte Händlerin, nahm einen Korb mit schönen Gürteln und wollte damit Schneewittchen ersticken. Am Waldhaus angekommen, rief sie mit schwacher Stimme: „Schöne Gürtel zu verkaufen!“ Aber Schneewittchen bedauerte die alte Händlerin und half ihr ins Haus. Sie erkannte ja die verkleidete Königin nicht. Also bot es ihr ein Verjüngungsmittel an. Die Königin konnte es nicht glauben, vergaß ihre Mordabsicht eilte schleunigst zurück ins Schloss um das Wundermittel auszuprobieren. Es wirkte – Schnell trat sie vor den Spiegel. Er antwortete, „ Frau Königin ihr seid wieder jung, aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als ihr“

 

Jetzt muss ich sie töten rief sie hasserfüllt. Sie verkleidete sich als Bauersfrau, klebte sich Warzen und hässliche Flecken ins Gesicht, färbte die Haare mit Asche grau, malte Fischschuppen auf ihre Hände, vergiftete einen Apfel ,legte ihn auf den Obstkorb und eilte wieder zum Waldhaus. “Schöne, reife Äpfel zu verkaufen“, hörte Schneewittchen es rufen. Wieder bat Schneewittchen die Bauersfrau herein. Diese sah so hässlich aus, dass Schneewittchen schauderte und voll Mitleid sagte: „Arme Frau, ich nehme eure Äpfel, Geld habe ich nicht aber ein sehr gutes Schönheitsmittel, Dies nehmt mit, es wird euch helfen. Gierig ergriff sie es schluckte das Mittel ohne sich zu bedanken, eilte die Königin in Windeseile zu ihrem Spiegel.

 

Unterwegs hatte das Mittel gewirkt und der Spiegel sagte: „Frau Königin ihr seid die Schönste hier und Schneewittchen ist die schönste im Waldhaus. Damit war die Königin erst mal zufrieden.

Kinder, ihr könnt es euch denken. Schneewittchen hatte in den vergifteten Apfel gebissen und fiel wie tot auf den Boden. Die Kosmonauten waren verzweifelt, doch mit ihrer Heilkunst retteten sie Schneewittchen. Im Schloss wandelte die Königin voller Stolz umher und ließ ihre neue Schönheit bewundern. Doch es dauerte nicht lange und sie wollte jünger sein als Schneewittchen. Also nahm sie alles von dem Verjüngungsmittel ein. Kinder ihr werdet es nicht glauben. Die Königin wurde immer jünger, bis sie zum Schluss ein kleines Mädchen war. Alle waren erschrocken. Der Jäger sprang aufs Pferd, ritt sofort zum Waldhaus und erzählte alles.

 

Nun war alle Angst vergessen und Schneewittchen schwang sich zum Jäger aufs Pferd und im Hui waren sie im Schloss. Dort trippelte die Kindkönigin auf Schneewittchen zu und lallte: „Wittchen ich will Spiegel gucken, ich will Spiegel gucken“. Schneewittchen lachte, räumte aber alle Spiegel auf den Oberboden, damit kein Unglück mehr geschehe.

 

Ein berühmter Arzt, der Schneewittchens Heilkünste bewunderte, verliebte sich in sie und bald feierten sie eine prächtige Hochzeit. Die Kindkönigin badete nun wie Schneewittchen im See, lief barfuß durchs nasse Gras, trocknete Haare in Wind und Sonne bürstete es und rief immer zu: „Wittchen, Spiegel gucken, Wittchen, Spiegel gucken, und wenn sie nicht gestorben ist, ruft sie das noch heute.

Marga Schwarze

August 2014